Starkregen: Warum die Gefahr nicht am Fluss endet
Stand: 12. Oktober 2026
Bei Hochwasser denken die meisten an über die Ufer tretende Flüsse. Ein großer Teil der Wasserschäden in Deutschland entsteht aber durch Starkregen, und zwar häufig in Lagen, an denen kein Gewässer in Sicht ist. Wenn in kurzer Zeit sehr viel Regen fällt, läuft das Wasser oberflächlich ab und sucht sich den tiefsten Punkt.
Was eine Adresse gefährdet
- Geländesenken. Wasser sammelt sich am Tiefpunkt. Eine Mulde mitten im Wohngebiet reicht.
- Hanglage oberhalb. Nicht die eigene Neigung ist entscheidend, sondern was oberhalb liegt und von dort zufließt.
- Versiegelung. Asphalt und Beton nehmen kein Wasser auf. Je dichter bebaut, desto schneller steht es auf der Straße.
- Kanalisation. Kein Netz ist auf ein Extremereignis ausgelegt. Ist die Kapazität erschöpft, drückt Wasser zurück.
Was Starkregenkarten zeigen und was nicht
Starkregenkarten sind Simulationen. Sie modellieren, wohin das Wasser bei einem angenommenen Regenereignis fließt und wie hoch es steht. Sie sind kein Abbild eines tatsächlich eingetretenen Ereignisses.
Die Abdeckung ist in Deutschland noch uneinheitlich. Viele Kommunen haben eigene Starkregengefahrenkarten, eine bundesweite Grundlage entsteht gerade. Wo für eine Region keine Daten vorliegen, weist WohnData das ausdrücklich aus. Eine fehlende Angabe ist keine Entwarnung, sondern eine offene Frage.
Welches Regenereignis wir zeigen
Eine Starkregenkarte zeigt immer ein angenommenes Ereignis. WohnData verwendet das außergewöhnliche Ereignis der Hinweiskarte: einen Starkregen von einer Stunde, wie er statistisch einmal in 100 Jahren auftritt. Wie viel Regen das ist, hängt von der Region ab. Der Deutsche Wetterdienst hat es im Datensatz KOSTRA-DWD für ganz Deutschland berechnet.
Festgelegt ist damit die Seltenheit des Ereignisses und nicht die Regenmenge. Das macht die Werte über Ländergrenzen hinweg vergleichbar. Eine Adresse in Köln und eine in Dresden werden am selben Maßstab gemessen, und das Ereignis ist so selten wie das hundertjährliche Hochwasser der amtlichen Gefahrenkarten. Rheinland-Pfalz liefert eigene Landesdaten, die dem gleichen Ereignis zugeordnet sind. Bislang sind nicht alle Bundesländer erfasst. Wie wir damit umgehen, steht unter Methodik & Grenzen der Daten.
Tiefe und Ausdehnung gehören zusammen
Eine Rasterzelle von 100 mal 100 Metern umfasst 10.000 Quadratmeter. Der schlechteste einzelne Quadratmeter darin sagt wenig über die Lage aus, denn irgendeine Bordsteinkante oder Senke findet sich fast überall. Aussagekräftig wird es erst, wenn ein nennenswerter Teil der Fläche betroffen ist. WohnData bewertet Starkregen deshalb aus Tiefe und Ausdehnung gemeinsam. Die Herleitung steht unter Methodik & Grenzen der Daten.
Was sich am Gebäude prüfen lässt
- Liegen Kellerfenster und Lichtschächte über dem Straßenniveau?
- Gibt es eine Rückstausicherung für die Abwasserleitung?
- Fällt das Grundstück zum Haus hin ab oder vom Haus weg?
- Wie sieht es bei Garagen und Tiefgaragen aus? Eine abschüssige Einfahrt wirkt bei Starkregen wie ein Trichter, und die Zufahrt zur Tiefgarage ist oft der tiefste Punkt des ganzen Grundstücks. Achten Sie darauf, ob die Einfahrt eine Schwelle, eine Rinne oder eine Aufkantung hat, und wohin das Wasser abläuft, wenn der Ablauf verstopft ist. Auch eine ebenerdige Garage liegt häufig einige Zentimeter unter dem Hofniveau.
- Wohin führt der Weg des Wassers bei einem Wolkenbruch, wenn Sie das Umfeld von oben betrachten?
Was sich selbst tun lässt
Beim Starkregen ist der Unterschied zwischen Schaden und Schrecken oft klein. Häufig entscheiden wenige Zentimeter darüber, ob Wasser ins Gebäude läuft oder daran vorbei.
- Schwellen und Aufkantungen. Eine erhöhte Kante an Kellerabgang, Lichtschacht oder Garageneinfahrt kostet wenig und hält die typischen Wasserstände zurück.
- Rückstausicherung prüfen und warten. Sie ist der wirksamste Einzelbaustein gegen Wasser aus der Kanalisation, wirkt aber nur, wenn sie regelmäßig kontrolliert wird.
- Im Ereignisfall Sandsäcke. Schon wenige Säcke reichen oft, um Wasser um das Gebäude herumzuleiten. Sie helfen nur, wenn sie vorher da sind, denn im Ernstfall sind sie überall gleichzeitig gefragt.
Dabei gilt eine Grenze, die gern übersehen wird, und sie steht im Gesetz. Nach § 37 des Wasserhaushaltsgesetzes darf der natürliche Ablauf wild abfließenden Wassers weder zum Nachteil eines tiefer liegenden Grundstücks verstärkt oder verändert noch zum Nachteil eines höher liegenden behindert werden. Die Regel schützt also in beide Richtungen, und sie hat Zähne: Wer benachteiligt wird, kann verlangen, dass das Hindernis oder die Veränderung beseitigt wird.
Praktisch heißt das, eine Mauer, eine Aufschüttung oder eine neue Zufahrt kann zum Problem werden, obwohl sie nur das eigene Haus schützen sollte. Alles, was über den Schutz des eigenen Gebäudes hinausgeht, gehört deshalb mit dem Nachbarn und im Zweifel mit der Gemeinde besprochen.
Vorsorge, die dem Umfeld nützt
Schutz besteht nicht nur aus Abwehr. Wo Regen versickern oder zwischengespeichert werden kann, kommt weniger davon auf einmal in der Kanalisation an.
- Regentonne und Zisterne halten Niederschlag zurück und liefern Gießwasser für den Sommer.
- Entsiegelung. Rasenfugenpflaster oder eine wassergebundene Decke statt Beton lassen Wasser dort versickern, wo es fällt.
- Mulden und Rigolen im Garten nehmen Spitzen auf und geben sie langsam ab. Schon eine flache Senke an der richtigen Stelle wirkt.
- Gründach. Eine begrünte Dachfläche speichert Wasser, verzögert den Abfluss und kühlt im Sommer zusätzlich.
Solche Maßnahmen werden von vielen Kommunen und Ländern gefördert, und manche Gemeinden reduzieren dafür die Niederschlagswassergebühr. Ein Anruf beim Umwelt- oder Tiefbauamt lohnt sich, bevor gebaut wird. Der Nutzen ist doppelt. Das eigene Grundstück wird sicherer, und das Viertel wird zugleich kühler und grüner. Mehr dazu, warum das zusammengehört, steht unter Stadtgrün.
Für die konkrete Adresse ist die kommunale Starkregengefahrenkarte maßgeblich. Die Einordnung von WohnData ist eine Information und kein Gutachten.
Zuschüsse kommen hier meist von der Kommune
Für Starkregen und Rückstau liegt die Förderung fast immer bei der Stadt oder der Gemeinde und nicht beim Bund. Verbreitet sind Zuschüsse für Rückstauklappen und Hebeanlagen, für Regenwasserzisternen und für die Entsiegelung von Hof und Zufahrt. Manche Kommunen senken zusätzlich die Niederschlagswassergebühr, wenn Regenwasser auf dem Grundstück versickert statt in den Kanal zu laufen.
Weil jede Kommune ihr eigenes Programm auflegt, lässt sich dazu keine bundesweite Zahl nennen. Auskunft geben das Umweltamt und der örtliche Entwässerungsbetrieb. In den Förderdatenbanken finden Sie die Programme unter dem Namen Ihrer Stadt zusammen mit Rückstausicherung, Zisterne oder Entsiegelung.
Der Tag danach
Pumpen Sie den Keller nicht zu früh leer. Solange ringsum noch Wasser im Boden steht, drückt es von außen gegen Wände und Bodenplatte. Das Wasser im Keller hält von innen dagegen. Wird zu früh abgepumpt, fehlt dieser Gegendruck, und es drohen Setzungen und Aufbrüche, also ein Schaden an der Statik statt am Inventar. Warten Sie, bis das Wasser draußen abgelaufen ist.
Stellen Sie den Strom ab, bevor Sie überflutete Räume betreten. Stehendes Wasser in einem Gebäude kann unter Spannung stehen, auch dort, wo es harmlos aussieht. Gummistiefel und wasserdichte Handschuhe gehören dazu, und der direkte Kontakt mit Wasser und Schlamm ist zu vermeiden.
Trocknen Sie danach schnell. Sobald Schlamm und Wasser draußen sind, zählt Tempo. Gut durchlüften und bei Bedarf Trocknungsgeräte einsetzen. Bleibt die Feuchte im Bauteil, folgen auf den Wasserschaden Bauschäden und Schimmel, und die sind am Ende oft teurer als das, was das Wasser selbst angerichtet hat.
Fragen Sie nach dem Trinkwasser. Nach einer Überflutung kann die Trinkwasserversorgung betroffen sein. Ob das Wasser wieder ohne Bedenken genutzt werden kann, sagt Ihnen der örtliche Wasserversorger oder die Gemeinde.
Wo Sie die amtliche Karte finden
Maßgeblich ist die Karte Ihrer Kommune oder Ihres Landes. Wo sie liegt, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.
- Baden-Württemberg: amtliche Karte öffnen
- Bayern: amtliche Karte öffnen
- Berlin: amtliche Karte öffnen
- Brandenburg: amtliche Karte öffnen
- Bremen: amtliche Karte öffnen
- Hessen: amtliche Karte öffnen
- Nordrhein-Westfalen: amtliche Karte öffnen
- Rheinland-Pfalz: amtliche Karte öffnen
- Saarland: amtliche Karte öffnen
- Schleswig-Holstein: amtliche Karte öffnen
- Thüringen: amtliche Karte öffnen
In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt lohnt zuerst der Blick auf die Seite der eigenen Stadt oder Gemeinde, denn viele Kommunen rechnen eigene Karten. Findet sich dort nichts, zeigt das Naturgefahrenportal des Deutschen Wetterdienstes die bundesweite Hinweiskarte Starkregengefahren des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie. Auf derselben Karte beruht auch die Auswertung von WohnData.
Adresse prüfen
Der Wohnlagen-Check startet in Kürze. Wie ein vollständiger Bericht aussieht, zeigt der Beispiel-Vollreport.
Alle Angaben dienen der Information und sind kein Gutachten. Für verbindliche Entscheidungen sind die amtlichen Quellen maßgeblich. Mehr dazu unter Methodik & Grenzen der Daten.