Nahversorgung und die 15-Minuten-Stadt: Entfernungen im Alltag prüfen
Stand: 01. Oktober 2026
Unter dem Schlagwort 15-Minuten-Stadt wird seit einigen Jahren diskutiert, dass die wichtigsten Ziele des Alltags zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar sein sollten. Für die Wohnungssuche ist das ein nützlicher Maßstab, wenn man weiß, wie Entfernungen zustande kommen.
Die Gehbänder im Alltag
In der Planungspraxis haben sich drei Distanzen etabliert.
- 300 Meter sind etwa vier Minuten zu Fuß. Das ist die Distanz, die man im Alltag nebenbei zurücklegt.
- 500 Meter sind rund sechs bis sieben Minuten. Bis hierher bleibt der Einkauf zu Fuß selbstverständlich.
- 800 Meter sind etwa zehn Minuten. Ab hier überlegen die meisten Menschen, ob sie das Auto nehmen.
Luftlinie ist nicht Wegstrecke
WohnData misst Entfernungen als Luftlinie von der Mitte der Rasterzelle zum Ziel. Bei Parks und Wäldern zählt der Rand der Fläche, nicht deren Mittelpunkt. Wer im Park wohnt, hat die Entfernung null.
Aus dem Raster ergibt sich eine Unschärfe, die man kennen sollte. Eine Zelle ist 100 Meter breit, Ihre Adresse liegt also bis zu etwa 70 Meter von der gemessenen Mitte entfernt. Wir rechnen bewusst ab der Mitte und nicht ab dem Zellenrand. Der Rand würde jede Entfernung systematisch zu klein ausweisen und jedes Ziel innerhalb der eigenen Zelle auf null setzen. Die Mitte liegt dagegen mal etwas zu weit, mal etwas zu nah, und verschiebt das Ergebnis im Mittel nicht.
Die zweite Unschärfe ist größer. Die Luftlinie ist über ganz Deutschland einheitlich vergleichbar, sie unterschätzt aber den realen Weg. Ein Fluss ohne Brücke, eine Bahntrasse ohne Unterführung oder eine Hauptstraße ohne Übergang können aus 800 Metern Luftlinie einen Weg von zwei Kilometern machen. Prüfen Sie deshalb bei grenzwertigen Fällen die tatsächliche Route in einem Kartendienst.
Nicht alles lässt sich gegeneinander aufrechnen
Eine Lage mit fünf Restaurants, aber ohne Supermarkt und ohne Apotheke ist nicht gut versorgt. WohnData rechnet die Nahversorgung deshalb so, dass eine fehlende Grundversorgung nicht vollständig durch andere Angebote ausgeglichen werden kann. Wer nur die Summe aller Ziele zählt, kommt zu einem freundlicheren und zugleich falschen Ergebnis. Die Rechenregel dahinter steht unter Methodik & Grenzen der Daten.
Woher die Daten kommen
Grundlage sind offene, von einer großen Gemeinschaft gepflegte Kartendaten. Sie sind in Städten sehr vollständig und im ländlichen Raum etwas lückiger. Neueröffnungen und Schließungen kommen mit Verzögerung an.
Wir werten aus, ob es ein Ziel gibt und wie weit es entfernt ist. Was ein einzelnes Geschäft taugt, bewerten wir nicht. Preisniveau und Öffnungszeiten fließen nicht ein. Ein kleiner Lebensmittelladen zählt für den Einkauf mit, aber weniger als ein Supermarkt, weil sein Sortiment meist schmaler ist. Kioske und Tankstellenshops zählen nicht. Für eine Einordnung reicht das gut, für die Frage nach einem bestimmten Geschäft lohnt der Blick in die Karte selbst.
Was Sie prüfen sollten
- Gibt es Supermarkt und Apotheke im 800-Meter-Radius?
- Wie weit ist die nächste Hausarztpraxis, und nimmt sie Patienten auf?
- Bei Familien: Wie weit sind Kita und Grundschule, und wie sicher ist der Schulweg an der Hauptstraße?
- Bei älteren Menschen: Ist der Weg zum Einkauf steigungsarm?
Adresse prüfen
Der Wohnlagen-Check startet in Kürze. Wie ein vollständiger Bericht aussieht, zeigt der Beispiel-Vollreport.
Alle Angaben dienen der Information und sind kein Gutachten. Für verbindliche Entscheidungen sind die amtlichen Quellen maßgeblich. Mehr dazu unter Methodik & Grenzen der Daten.