Luftqualität an der Wohnadresse: Was NO2, Feinstaub und Ozon aussagen
Stand: 12. Oktober 2026
Luft ist der einzige Umweltfaktor einer Wohnung, den man weder sieht noch hört und trotzdem den ganzen Tag aufnimmt. Was man dazu findet, ist meistens ein Jahresmittel für eine ganze Stadt. Für die Wohnungssuche ist das die falsche Auflösung, denn zwischen einer Hauptverkehrsstraße und dem Innenhof zweihundert Meter weiter liegen Welten.
Drei Werte, drei verschiedene Fragen
Stickstoffdioxid (NO2) entsteht vor allem bei der Verbrennung im Verkehr. Es ist der Wert, der am schnellsten auf eine viel befahrene Straße reagiert und innerhalb weniger hundert Meter deutlich abfällt.
Feinstaub (PM2,5) sind Partikel unter 2,5 Mikrometern. Sie stammen aus Verkehr, Heizungen, Industrie und Landwirtschaft, werden über weite Strecken getragen und verteilen sich dadurch großräumig. Innerhalb einer Stadt unterscheiden sie sich kaum.
Ozon ist ein Sommerthema. Es bildet sich unter Sonneneinstrahlung aus Vorläuferstoffen und ist deshalb im Umland oft höher als in der Innenstadt. WohnData weist die Sommerspitze aus, also den Mittelwert der täglichen Acht-Stunden-Maxima in der warmen Jahreshälfte. Das ist die Größe, auf die sich auch die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation bezieht.
Nur ein Wert unterscheidet Straßen
Das ist die praktisch wichtigste Erkenntnis aus unseren Daten. Von den drei Werten variiert nur NO2 nennenswert innerhalb einer Gemeinde. Feinstaub und Ozon sind über eine Stadt hinweg nahezu gleich verteilt.
Für die Wohnungssuche heißt das: NO2 ist die Zahl, mit der sich zwei Adressen in derselben Stadt vergleichen lassen. Feinstaub und Ozon sagen etwas über die Region aus, nicht über die Straße.
Was die Karte nicht zeigt
Unsere Werte stammen aus europaweiten Karten, die aus Messstationen, Modelldaten und Wetterdaten gerechnet werden. Sie beschreiben die Hintergrundbelastung in einem Rasterfeld von einem Kilometer, nicht die Luft an einer einzelnen Hausfassade.
Das hat eine Konsequenz, die wir offen sagen: direkt an einer stark befahrenen Straße liegt der tatsächliche NO2-Wert höher als die Karte zeigt. Im Vergleich mit verkehrsnahen Messstationen liegt die Abweichung im Mittel bei rund 6,7 Mikrogramm je Kubikmeter. Unser Wert beschreibt also, was das Viertel atmet, und nicht, was auf dem Balkon über der Hauptstraße ankommt. Wer genau das wissen will, ist auf eine Messung angewiesen.
Werte zum Einordnen
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2021 im Jahresmittel höchstens 10 Mikrogramm je Kubikmeter für NO2 und 5 für Feinstaub PM2,5, bei Ozon höchstens 60 in der Sommerspitze. Der gesetzliche EU-Grenzwert für NO2 liegt mit 40 Mikrogramm je Kubikmeter im Jahresmittel deutlich darüber. Die überarbeitete EU-Luftqualitätsrichtlinie ist seit Dezember 2024 in Kraft und senkt die Grenzwerte ab 2030.
Der Unterschied ist wichtig: Ein Empfehlungswert der WHO beschreibt, ab wann gesundheitliche Wirkungen belegt sind. Ein Grenzwert ist eine politisch ausgehandelte Rechtsgröße. Eine Adresse kann den Grenzwert einhalten und trotzdem über der Empfehlung liegen.
Was Sie selbst prüfen können
- Auf welche Seite zeigen die Fenster? Schlaf- und Kinderzimmer zum Hof machen bei gleicher Adresse einen größeren Unterschied als jede Zahl.
- Wie eng ist die Straße? In einer geschlossenen Häuserzeile verdünnt sich die Luft schlechter als an einer offenen Bebauung.
- Wo steht die nächste Messstation? Das Umweltbundesamt veröffentlicht die Stundenwerte aller Stationen. Eine verkehrsnahe Station in der Nähe sagt mehr über eine Hauptstraße als jede großräumige Karte.
- Wann können Sie lüften? Wo Lärm das Fenster nachts geschlossen hält, entscheidet die Lüftungsanlage über die Luft im Raum. Mehr dazu unter Lärmbelastung und Wohnqualität.
Wie wir die Werte aufbereiten und wo ihre Grenzen liegen, steht unter Methodik & Grenzen der Daten. Die verwendeten Quellen sind auf der Seite Datenquellen einzeln aufgeführt.
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Alle Angaben dienen der Information und sind kein Gutachten. Für verbindliche Entscheidungen sind die amtlichen Quellen maßgeblich. Mehr dazu unter Methodik & Grenzen der Daten.